Die guten alten Hausmittelchen


Manchmal mag man es ja echt nicht mehr hören, was die Leute einem so in allen Lebenslagen erzählen; was sie für eine unorthodoxe, aber irrsinnig praktische und effiziente Methode für genau dieses Problem aus der Familientradition kennen. Aber andererseits – warum sollte man sich dagegen sperren?

Hausmittel in der Regel effizient

Häufig ist das nicht kanonisierte Wissen ja mindestens genau so schlau wie das offizielle. Zwar sind die Methoden oft schwer überprüfbar – sonst könnte man sie freilich nicht alternativ nennen – aber darin liegt ja auch ihre Stärke. Die westliche, d.h., europäisch geprägte Logik ist ein starkes, ein mächtiges Denksystem, aber es gibt Dinge, die sie nicht erklären kann. Jedes geschlossene Logiksystem ist defizitär, jedes Denksystem ist eine Vereinfachung der Dinge, die unabhängig von diesem System existieren. Wäre das anders, bräuchte man ja letztlich auch gar keine Sprache.

Nur ist es eben auch so, dass – anders als bei komprimierten Dateiformaten wie .zip oder .rar – die „Wahrheit“ bei Zugriff entpackt wird; es geht einfach unwiederbringlich, oder zumindest schwer wiederherstellbar, Information flöten. Naturgemäß, oder viel eher: kulturgemäß, wachsen wir innerhalb einer gewissen Logik auf, die uns prägt und dafür sorgt, dass wir Dinge, die ihr zufolge nicht viel Sinn ergeben, schnell verlachen. Häufig auch vorschnell, muss man sagen. Und trotzdem überleben die Menschen anderswo mit ganz anderen medizinischen Traditionen, und auch hierzulande gibt es einen Markt abseits der Schulmedizin. Aber man muss gar nicht in die Ferne schweifen, um Brüche im Erkenntnissystem zu erkennen. Die Dekonstruktion ist ja doch jeder Denkfigur inhärent, sei sie versteckt oder mehr oder minder deutlich – und zeigt, dass man nicht notwendig die Schulmedizin braucht, um sich bester Gesundheit zu erfreuen.

Hexensalben und Backpulver

Es gibt seltsame Ungereimtheiten auch innerhalb ein und derselben Kultur. Volksglaube und hohe Kultur römischer (d.h., letztlich eigentlich griechischer) Prägung stoßen hier aufeinander, ersterer manchmal verschleiert durch die Aufpfropfung der Zeichen der letzteren. Eine zweite Form des medizinischen oder pharmazeutischen Synkretismus wären die Pflanzenstudien in Klostergärten, denn auch hier stoßen die Erkenntnisse Jahrhundertealter Pflanzenkunde und christliches Erkenntnissystem aufeinander und verschmelzen zu Erkenntnissen, die korrekt sein mögen; jedoch auf eine Weise verschmelzen, dass niemand mehr ihre Sprache spricht. Aber wenn die Ergebnisse stimmen, ist das nicht in erster Linie wichtig. Es gibt aber auch unumstrittene und akzeptierte Hausmittel wie zum Beispiel Wadenwickel. Der Weisheit letzter Schluss sind sie vielleicht auch nicht, taugen aber zur Fiebersenkung und sind dabei allemal besser für die Leber als Paracetamol.



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