Kennenlernen bald nur noch virtuell?


Wenn man diese Zahlen hört, dann fragt man sich, ob es dies alles gar nicht mehr gibt: das Kennenlernen an der Käsetheke, beim Joggen im Park oder beim romantischen Zusammenstoß morgens in der Bahn. Die Online-Dating-Industrie hat im Jahr 2009 Rekordumsätze verbucht und scheint auch in diesem Jahr weiter auf dem Vormarsch zu sein. Sind die Deutschen einfach zu ungeduldig oder zu bequem geworden, um auf „natürliche Weise“ jemanden kennenzulernen?

An persönlichen Kontakten würde es nicht mangeln

An einem üblichen Werktag begegnet man rund 500 Menschen: auf dem Weg zur U-Bahn oder zum Bus, in der Bahn, beim Bäcker auf dem Weg zur Firma, im Büro, in der Mittagspause beim Italiener an der Ecke, auf dem Nachhauseweg, abends beim Abendessen im Restaurant und schließlich und endlich auch noch im Treppenhaus vor der eigenen Wohnung. Auf den ersten Blick also ungemein viele Chancen, um interessante Menschen kennenzulernen und den potenziellen Partner zu finden. Natürlich fallen viele der unbekannte Gesichter auf der Straße aufgrund von Geschlecht, Alter oder äußerlichen Merkmalen durch das persönliche Raster, allerdings sind im Schnitt dennoch mindestens zwei Kandidaten pro Tag dabei, deren Wiedersehen man nicht bedauern würde. Doch oft ist man dann einfach zu schüchtern oder zu müde, um mit jemandem ein Gespräch aufzunehmen und sich für den anderen zu interessieren. Schließlich geht das auch im Internet von zuhause aus und das ist schlichtweg gemütlicher und stressfreier. Aber wo ist da die Romantik geblieben? Und warum lässt man dem Schicksal so gar keine Chance mehr, seinen Partner auf natürlichem Wege kennenzulernen?

Rekordumsatz für Online-Dating-Industrie

Den Erfolg von Online-Singlebörse, Partnervermittlungsagenturen und Love-Chats bestätigen die Geschäftszahlen aus dem Jahr 2009. Dabei konnte die europäische Online-Dating-Industrie einen Rekordumsatz von 179,5 Millionen Euro verbuchen, während so gut wie alle anderen Branchen im Jahr 2009 eines der schwärzesten Geschäftsjahre seit vielen Jahrzehnten erlebten. Jeden Monat seien etwa sieben Millionen Deutsche auf Online-Dating-Portalen unterwegs und damit sind das acht mal mehr als noch im Jahr 2003. Der Grund für den rasanten Zuwachs bestand letzten Endes wahrscheinlich sogar in der Krise: in schlechten und unsicheren Zeiten würden sich die Menschen mehr nach einem Partner sehnen und waren zudem bereit, viel Geld dafür an Dating-Agenturen zu bezahlen.

Virtuelle Partnersuche ist bequemer und unverbindlicher

In unserer westlichen Welt ist es scheinbar inzwischen selbstverständlich, im Internet zu flirten und dort Ausschau nach einem potenziellen Partner zu halten. Im Jahr 2009 haben rund 5,4 Millionen Deutsche ihren Partner durch eine Kontaktanzeige im Internet gefunden, was rund 20 Prozent aller Internetnutzern zwischen 18 und 65 Jahren entspricht. Aber was macht den Zauber des virtuellen Kennenlernens dann noch aus? Während man sich früher langsam kennengelernt hat und öfter zusammen ausgegangen ist, bevor man sich die ersten Liebesfilme gemeinsam angeguckt hat, scheint durch das Internet alles viel schnelllebiger und unverbindlicher geworden zu sein – denn falls es dann doch nicht der Richtige sein sollte, kann man sich ja ebenso schnell wieder einen neuen Partner in den Untiefen des World Wide Webs besorgen.



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